Studienreise 2018

Basel - Jura

1. - 2. Juni 2018

Freitag 1. Juni

Bei schönstem Wetter beginnt am frühen Morgen für insgesamt 32 Personen die Reise in Richtung Basel. Für jene, die bereits schon vor ein paar Stunden aufstehen durften/mussten, kam der obligate Kaffeehalt mit Gipfeli und kleinen Sandwiches kurz nach dem Belchentunnel sehr gelegen. Schon bald darauf erreichten wir in Weil am Rhein unser erstes Tagesziel, die Rhein-Überwachungs-Station (RÜS).

Nach der Havarie vom 1. November 1986 in Schweizerhalle (auch als Brand bei Sandoz bekannt) wurde allgemein erkannt, dass es wichtig ist, die Rheinwasserqualität zeitnah zu über-wachen. In der Folge beschlossen das Land Baden-Württemberg und die Schweiz im Staatsvertrag vom 17.Mai 1990 den Bau der gemeinsamen Überwachungsstation in Weil am Rhein. Diese Station wurde mit zwei Aufgaben beauftragt:
- Zeitnahe Erkennung kritischer Schadstoffgehalte (sogenannte „Alarmüberwachung“)
- Langfristige Qualitätskontrolle (sogenannte „Trendüberwachung“)
Betrieben wird die Messstelle im Auftrag des Bafu vom Amt für Umwelt und Energie des Kantons Basel-Stadt, dessen Mitarbeiter täglich die automatisch entnommenen Proben untersuchen, kontrollieren und falls notwendig, die Alarmzentrale informieren. Sie ist die weltweit erste Überwachungsstation, welche durch zwei Staaten gemeinsam getragen wird.

In den fünfziger Jahren boomte die Wirtschaft, das Bevölkerungswachstum war enorm und Gewässerschutz war ein Fremdwort. Der Rhein hatte damals den traurigen Ruf der "grössten Kloake Europas". Die Verschmutzung alarmierte die staatlichen Behörden und die Industrie, welche in der Folge Massnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität beschlossen und umsetzten. Heute hat sich die Fauna weitgehend erholt, es gelangt kaum noch ungereinigtes Abwasser in den Rhein und 63 Fischarten tummeln sich vom Bodensee bis zur Einmündung in die Nordsee. Gegenüber der Vielfalt des "alten Rheins" fehlt nur noch der Stör.

Von aussen gesehen eher klein und unscheinbar, präsentierte sich das Innere zwar etwas eng, aber mit zwei Geschossen (Labor und Installationsraum Probenahmen) in den Untergrund doch in erstaunlicher Grösse. Fünf über den ganzen Querschnitt verteilte Messstellen mit entsprechender Installation liefern kontinuierlich das zu untersuchende Wasser. Sie sind speziell gebaut, um den verschiedenen Strömungs- und Krafteinwirkungsverhältnissen trotzen zu können. Weiter bekamen wir auch viele interessante Hintergrundinformationen über festgestellte Ereignisse, Messmethoden, Datenauswertung und -interpretationen etc. etc. etc.

Langsam machte sich der Hunger breit und wir konnten uns von einem feinen Mittagsbuffet für den Nachmittag stärken.

Mit einer kurzen Carfahrt gelangten wir zum Rheinhafen Basel-Kleinhüningen, dem untersten der drei Häfen. Rheinaufwärts liegen noch der Hafen Birsfelden und der oberstliegende Auhafen Muttenz. Diese drei Binnenhäfen bilden für den Im- und Export der Schweiz die wichtigste Drehscheibe und sind im Besitz der Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt.

Wie der Name bereits sagt, liegt der Rheinhafen Basel-Kleinhüningen im gleichnamigen Basler Wohnviertel. Er wird teilweise auch Klybeck-Kleinhüningen genannt und liegt auf der rechten (Kleinbasler) Rheinseite beim Dreiländereck Schweiz/Deutsch-land/Frankreich. Er besteht aus zwei Hafen- (I und II) sowie ein Wendebecken und verfügt über drei Containerterminals sowie verschiedene Silos und Tanklager. Der Güterumschlag besteht nebst den Containern haupt-sächlich mit Trockengüter wie Metalle und flüssigen Stoffen.

Das markanteste Gebäude stellt der Siloturm (Bernoullisilo, benannt nach seinem Architekten und Erbauer) dar, welcher über eine Aussichtsplattform mit herrlicher Rundsicht auf den Hafen und das umliegende Gebiet inkl. Frankreich und Deutschland verfügt. Der Turm selbst besteht aus 105 Silozellen und 20 Schüttböden mit einem Gesamtvolumen von ca. 14'200 m3 oder knapp 11'000 Tonnen Getreide wie Hafer, Weizen, Gerste, Roggen und Sojabohnen. Abgerundet wurde die Hafenbesichtigung mit dem Besuch der Ausstellung "Verkehrsdrehschei-be Schweiz und unser Weg zum Meer".

Der zweite Teil, die Besichtigung der "BIBO REGIO", war hoch interessant. Es handelte sich dabei um ein sogenanntes Bilgenentölboot. Bei der Bilge handelt es sich um den Raum zwischen dem begehbaren Maschinenraum-Boden und dem Schiffsboden. Dort sammeln sich sämtliche Leckwasser und -öle aus den verschiedensten Kreisläufen sowie Frost- und Korrosionsschutzmittel aus Servicearbeiten. Ferner muss der Maschinenraum selbst auch periodisch gereinigt werden und es kommen damit noch Putzmittel in die Bilge. Dies wurde früher in den Rhein gelenzt (entsorgt), was aber seit 1963 verboten ist.

Das Boot selbst erfüllt für den Betrieb sehr hohe technische Anforderungen, muss es doch bei allen möglichen Szenarien wie Hochwasser, Niedrigwasser, leer, Volllast, Ölwehr etc. eingesetzt werden können. Nebst diesen Anforderungen hat es Einrichtungen zur Behandlung der Bilgenwässer der auf dem Rhein verkehrenden Schiffe. Nach dem Abpumpen durchläuft das Bilgengemisch einen Schwerkraftseparator. Das Öl wird abgerahmt und in den Ladetank gefördert. Das so grob entölte Bilgenwasser wird danach durch eine Emulsionsspaltanlage (ESAN) gedrückt und in Wasser und Schlamm aufgetrennt. Das Wasser fliesst direkt über Bord, der Schlamm wird in Filtersäcken aufgefangen, getrocknet und geht dann in die Kehrichtverbrennung. Das Altöl wird an Land weiter entwässert und anschliessend in einem Spezialkessel verbrannt.

Auf dem Rückweg zum Car wurden wir Zeuge, wie präzise und auf wenig Platz die grossen und vor allem langen Schiffe gesteuert werden können und müssen! Mit Kapitän sein und ein bisschen umherschippern hat diese Art von Schifffahrt definitiv nichts zu tun.

Samstag 2. Juni

Nach einem reichhaltigen Frühstücksbuffet versammelten sich am nächsten Morgen alle pünktlich vor dem Hotel für die Weiterreise Richtung Jura. Die städtische Hektik wich schnell einmal ländlicher Idylle mit den teilweise typischen Jura-Häuser und Pferdeweiden. Schon bald einmal waren die ersten Windturbinen des Mont-Soleil, unserem ersten heutigen Ziel, sichtbar.

Von der Betreiberin eines "einfachen" Sonnenkraftwerks hat sich die Gesellschaft Mont-Soleil zum bedeutendsten Fotovoltaik-Kompetenzzentrum der Schweiz entwickelt. Seit 1990 werden im Testfeld der Anlage neuste Zellen- und Konstruktionstechnologien aus aller Welt erprobt und mit dem bestehenden Sonnenkraftwerk verglichen. Dieses dient primär der Forschung und Entwicklung, obwohl mit seiner Jahresproduktion ca. 130 Haushaltungen mit Strom versorgt werden könnten.

Das Windkraftwerk wird seit gut zwanzig Jahren von der Juvent SA betrieben und umfasst heute, nach sieben Bauetappen und Vollausbau insgesamt 16 Turbinen, welche auf vier Standortgemeinden verteilt sind. Damit ist die max. Anzahl der Turbinen erreicht und Leistungssteigerungen sind nur noch durch leistungsfähigere Turbinen möglich, ein sogenanntes Repowering. Dies passierte mit je vier Turbinen 2013 und 2016.

Bevor wir mit dem Rundgang starteten, erhielten wir im Besucherpavillon von den zwei "Führungsdamen" interessante Informationen über die Energie-Geschichte des Mont-Soleil und Energie allgemein. Obwohl der Aufstieg im Turm in eine Generator-Gondel auf ca. 100 m über Boden nur Spezialisten mit entsprechender Ausbildung und Zertifikat vorbehalten bleibt, erhielten wir bei der Besichtigung des Eingangsbereichs eine Vorstellung der Dimensionen dieser Windräder.

Ein sehr gutes Mittagessen in der Auberge Mont-Soleil Chez L'Assesseur rundete den Vormittag mit der interessanten Führung auf dem Mont-Soleil ab.

Danach fuhren wir durch die wunderschöne Jura-Landschaft Richtung Bellelay unserem letzten Ziel der Reise, dem Maison de la Tête de Moine, entgegen. Dieses ist zugleich Museum, traditionelle Käserei, Café, Lebensmittelgeschäft mit lokalen Spezialitäten und Online-Laden. Vor dem geführten Rundgang konnten wir zur Stärkung nebst anderen Leckereien bei einem Glas einheimischen Weisswein den Tête de Moine AOP nach Lust und Appetit degustieren.

Der Rundgang startete mit einer Multimedia-Show, welche interessante Informationen über die Geschichte und Herstellung des Tête de Moine, aber auch die Milchwirtschaft und -verarbeitung in dieser Region lieferte. Einen fast 1:1 Eindruck, wie vor rund 800 Jahren der Käse über dem Holzfeuer produziert wurde, lieferte uns der anschliessende Aufenthalt in einer, der damaligen Zeit nahgebauten Küche inkl. Feuerstelle und Kessel. Während Besucher-Demonstrationen wird dort heute noch Tête de Moine hergestellt. Der Besuch des Museums rund um die Geschichte spezifisch des Tête de Moine aber auch der Butterherstellung und Milchverarbeitung allgemein bis hin zur Gegenwart bildete den Schlusspunkt bezüglich der kulturellen Teile der diesjährigen Reise.

Halt, das stimmt ja gar nicht! Ganz nebenbei hatten wir auch noch genügend Zeit, die riesigen (bis zu 7 m hohen und 8 m langen) Heuskulpturen aus dem Tête de Moine-Reich zu bewundern. Ein Dutzend Künstler aus ganz Europa (sechs Teams um zwei Heukünstler) haben mehr als eine Woche lang an diesen Skulpturen gearbeitet.

Jedes Team hat seine eigene Interpretation einer Tradition und eines Terroirs eingebracht. Die so entstandene märchenhafte Szenerie hinterfragt die Grenze zwischen Legende und Geschichte.

Allen Sponsoren und Gönnern ein herzliches Dankeschön! Einmal mehr wäre ohne Eure Unterstützung eine tolle Reise wie diese so nicht möglich gewesen.

Rolf Lüdi

Der vollständige Bericht von Rolf Lüdi mit zahlreichen weiteren Fotos kann auch direkt als PDF-Datei heruntergeladen werden.